Hinter die Stirn geschaut!
Auch dieses Jahr kamen die beiden Ragdoll-Katzen Charly und Emmy Lou,
die wir vor drei Jahren vermittelt hatten, für vier Wochen zur Urlaubsbetreuung.
Die Beiden wurden vor drei Jahren gemeinsam mit einem weiteren Kumpel
aus einer verlassenen Wohnung rausgeholt.
Herrchen war leider verstorben, er hatte seine Raggies über alles geliebt.
Frauchen hatte nun einen neuen Freund, zog weg
und ließ einfach die drei Katzen in der Wohnung zurück.
Die beiden Samtpfoten Emmy Lou und Charly fanden gemeinsam ein neues Zuhause bei einem allein lebenden weitläufigen Bekannten.
Er erzählte ständig wie toll es mit den beiden Stubentigern läuft, kaufte sich Lektüre,
würde alles für seine Tierchen machen, spielte mit ihnen, ginge damit zum Tierarzt usw.
Im Lauf der Jahre hat man ein feines Gespür entwickelt,
wie die Erzählungen mancher Menschen zu deuten sind.
Aber kein Mensch kann wirklich hinter die Stirn schauen, so auch in diesem Fall.
Charly und Emmy Lou kamen wieder einmal geschoren zu uns, natürlich müssen diese Tiere täglich gebürstet werden. Aber wenn man dazu keine Lust(zu faul) hat, werden sie kurzerhand einmal jährlich geschoren, ansonsten bekäme man hierfür schon einen Rüffel.
Charly ging es sichtlich schlecht, er schmatzte, verkroch sich, brach das Futter wieder aus, zitterte am ganzen Körper. Auch unter der Rotlichtlampe wurde es nicht besser.
Beim Fiebermessen ergab sich eine Untertemperatur von 36,3. Kein tolles Ergebnis.
Also sofort zur Tierärztin.
Untertemperatur bei der Katze ist sehr bedenklich, gefährlicher als Fieber.
Die Blutuntersuchung ergab eine hochgradige Infektion, schlechte Nieren- und Leberwerte,
eine extreme Verwurmung. Die Schilddrüse war o.k., wenigstens etwas.
Aber Charly`s Kot enthielt Blut, außerdem ging er nicht aufs Katzenklo, sehr ungewöhnlich für diesen Kater. Also muss er Schmerzen mit dem Klo in Verbindung gebracht haben, deshalb benutzte er es nicht.
Da ich immer noch an etwas anderes glaubte, wurde nochmals Blut untersucht
und zwar um Werte der Bauchspeicheldrüse zu erhalten.
Und so war es dann auch. Es ist sehr sehr schmerzhaft, bei Mensch und beim Tier wenn die Bauchspeicheldrüse betroffen ist.
Außerdem kommen etliche andere Krankheiten hinzu.
Charly bekam nun zweimal Schmerzmittel am Tag und eine halbe Flasche Infusionslösung.
Der Kampf um sein Leben hatte begonnen.
Es handelte sich hierbei um eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung.
Nach zwei Wochen wurde erneut ein Test durchgeführt.
Wir waren nun sehr zuversichtlich, denn der Wert der Bauchspeicheldrüse hatte sich ein wenig gebessert.
Also hieß es weitermachen mit Infusion und Schmerzmitteln.
Doch am nächsten Tag ging es Charly ersichtlich schlechter. Er verkroch sich.
Schleppte sich unruhig hin und her, lag auf der Seite mit aufgerissenem Mäulchen, krampfte.
Sofort rief ich die Tierärztin an.
Doch in den fünf Minuten bis zu ihrem Eintreffen, verstarb er mir in meinen Armen.
Sie konnte nur noch seinen Tod feststellen.
Das Herrchen der beiden Katzen war schon einige Tage aus dem Urlaub zurück,
er hatte sich kein einziges Mal während dieser Zeit nach den beiden Tieren erkundigt.
Katzen sind ja so robust, hieß es immer von ihm. Hätte er auf meine ermahnenden Worte gehört,
wäre er regelmäßig zum Tierarzt gegangen, hätte Charly vielleicht noch leben können.
Vor allen Dingen muss es ihm aufgefallen sein, dass der Kater große Schmerzen hatte.
Wenn es sich wie hier, um eine chronische Krankheit handelt, ist es ein langer schleichender Prozess.
Emmy Lou ist noch immer bei uns, sie soll nicht so elendig umkommen müssen wie ihr Katzenkumpel.
Das Tiere viel Geld kosten können, sollte jedem Menschen klar sein.
Wir haben schließlich die Verantwortung übernommen,d as sollte sich jeder sehr genau überlegen,
bevor er ein Tier aufnimmt.
Nur leider kann man niemandem hinter die Stirn schauen.
Emmy Lou geschoren. |