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Das Schicksal weißer Katzen unter
der kanarischen Sonne
Nachts auf den Dächern
von Puerto de La Cruz
Wie Sie, liebe Tierfreunde wissen, sind
weiße Tiere in südlichen Ländern durch
die extreme Sonneneinstrahlung sehr stark hautkrebsgefährdet.
Mit dieser Tatsache vertraut, versuchten tierliebe Menschen,
eine Katze einzufangen, die auf den Dächern von Puerto
de la Cruz lebte.
Futter erhielt sie in Plastikflaschen, die aufs Dach heruntergelassen
wurden. In die Flaschen wurden Öffnungen geschnitten
und so bestand kein Mangel an Wasser und Trockenfutter.
Keine Nase und kein Mund
Die Katze, ein weißcremefarbiges Tier,
lebte auf den Dächern von Abbruchhäusern mitten
in Puerto.
Eigentlich nichts Ungewöhnliches, werden Sie jetzt
denken. Aber sie hatte Krebs. Hautkrebs im Gesicht. Sie
hatte keine Nase, und dort wo sich der Mund befunden hatte,
war ein kreisrundes offenes Loch.
Viele Male schon hatte ein Tierarzt vom Loro Parque versucht,
sie mittels eines Blasrohres zu betäuben,
leider erfolglos. Auch die mehrmals aufgestellte Falle
blieb leer.
Also musste etwas anderes her. Es wurde ein Fischernetz
organisiert, 10 m lang und 2,50 m breit.
Tagsüber fuhr immer einer von uns nachschauen, auf
welchem Dach die Katze saß.
Wir wussten, wir könnten sie nur kriegen, wenn sie
auf einem bestimmten Dach saß, und zwar das mit
der kleinen Mauer ringsrum und der schmalen Treppe, die
auf sämtliche andere Dächer führte. Die
Aktion konnte nur nachts ausgeführt werden, denn
tagsüber lag sie meistens in einem der Häuser
und konnte überallhin entwischen. Nachts war es aber
nicht ganz ungefährlich für uns.
Die Dächer waren zum Teil eingestürzt, und den
Hals wollten wir uns nicht brechen.
Wir, Sabine und Stefan aus Braunschweig und Torsten und
Renate aus Hannover, fuhren nachmittags mit dem Auto nach
Puerto. Stets hatten wir eine Leiter, die Crashbox, lange
Lederhandschuhe, Handtücher, Taschenlampen usw. als
Ausrüstung dabei. Wir hielten Ausschau nach der Katze.
Genau auf dem Dach, wo wir glaubten, sie einfangen zu
können, saß sie. Jetzt sahen wir es zum ersten
Mal. Es waren zwei Tiere.
Die eine Katze kümmerte sich rührend um ihren
Kumpel, der weder Nase noch Mäulchen hatte.
Touristen baten um Hilfe für
das Tier
Viele Touristen hatten die Katze gesehen
und riefen in der Katzenherberge an, man möge doch
dieses Tier einfangen und erlösen. Wir versuchten
es also aufs Neue. Leise wurde die Leiter an die Hauswand
gelehnt.
Die Ausrüstung hochgereicht. Die Falle stand bereits
auf dem Dach.
Sie sollte oben auf der Treppe aufgestellt werden, der
Fluchtweg die Treppe herunter mittels des Fischernetzes
abgeschnitten werden. Doch die Katzen waren schnell. Sie
entwischten über die eingestürzten Dächer
hinweg. Eine verschwand in einer Mauerspalte eines angrenzenden
bewohnten Hauses. Torsten und Stefan stellten die Falle
direkt vor diesem Spalt auf.
Die Seiten wurden mit dem Fischernetz abgedichtet, anschließend
wurden schwere Felssteine um die Falle postiert. Wildkatzen
bez. verwilderte Hauskatzen entwickeln unglaubliche Kräfte,
wenn sie in die Enge getrieben werden.
Die falsche Katze erwischt
Danach fuhren wie wieder in die Katzenherberge.
Am Abend würden wir nachschauen.
Als wir abends dort ankamen, sahen wir im Schein der Taschenlampe
ein Tier zusammengekauert in der Falle sitzen. Also die
Leiter ausladen, an die Hauswand stellen, die Falle bergen
und nachschauen. Beim näheren Hinsehen entdeckten
wir, dass wir den Kumpel erwischt hatten. Er hatte jetzt
eine blutige Nase, er muß wohl mit einer unglaublichen
Wucht in die Falle gerannt sein. Wir brachten ihn in die
Katzenherberge, wo er den nächsten Tag der Tierärztin
Patricia vorgestellt wurde.
Uns verblieb nicht mehr viel Zeit, um auch noch die zweite
Katze zu fangen, den Sabine und Stefan würden den
nächsten Tag nach Hause fliegen. Diese Fangaktion
erforderte aber mindestens 4 Personen. Also fuhren wir
den nächsten Abend wieder mit voller Ausrüstung
zunächst ins Restaurant und anschließend zu
unserem allabendlichen Parkplatz.
Endlich erfolgreich
Wir waren aufgeregt, denn die Katze saß
genau da, wo sie sitzen sollte. Sabine beobachtete sie
von der oberen Mauer aus. Wir stellten die Leiter an und
kletterten aufs erste Dach.
Die Ausrüstung folgte. Torsten zog von unten das
Fischernetz über die Treppenstufen, am unteren Ende
stand Renate, ein grosses Handtuch in den Händen.
Die Mitte der Treppe wurde von Stefan gehalten, die langen
Lederhandschuhe an den Händen.
Torsten zog das Netz hoch, ans obere Ende der Stufen und
hielt es fest. Mucksmäuschenstill warteten wir.
Ein, zwei Sekunden. Dann das Kommando von Torsten: „
Die Katze kommt.
Adrenalin pur. Jetzt musste es klappen. Stefan packt sie.
„Stefan hast du sie?“ „Nein, sie ist
abgehauen.“
Renate wirft das Handtuch, Stefan fasst nach. Die Katze
kann nicht mehr weg. Schnell die Überstülpbox.
Handtuch drauflassen, denn wenn sie nichts sieht, haut
sie nicht ab. Katze rein und zugemacht.
Puh, war das aufregend. Jetzt runter vom Dach, vorsichtig
die Box runterlassen. Alles im Auto verstaut und ab geht’s
zur Herberge.
Das Auto stank grauenvoll. Die Katze konnte sich lange
Zeit nicht putzen. Nun entleerte sie sich auch noch vor
lauter Angst. Am nächsten Morgen wurde sie von der
Tierärztin Patricia von ihrem Leiden erlöst.
Nachdem die Euthanasie wirkte und der Körper entspannte,
kamen die vielen kleinen Maden aus der Öffnung, die
einmal Nase und Mäulchen gewesen war.


© Renate Knapmeyer
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